Was seit langem vermutet wurde, ist nun wissenschaftlich untermauert: Zwischen der Kiefer- und Zahnerkrankung Parodontitis und dem Herzinfarkt besteht ein genetischer Zusammenhang wie eine deutsch-niederländische Forschergruppe belegt. Die Erkrankung sei Vorbote einer Krankheit mit möglicher Todesfolge.

Der schon häufiger beobachtete Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herzinfarkt ist jetzt auch genetisch belegt. Wissenschaftler der Universitäten Kiel, Dresden, Amsterdam und Bonn konnten die gleichen Genveränderungen auf Chromosom 9 nachweisen.

Die Forschergruppe appelliert deshalb an Zahnärzte, die Parodontitis ernst zu nehmen, frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. Die Erkrankung sei Vorbote einer Krankheit mit möglicher Todesfolge, sagte Arne Schaefer vom Kieler Institut für Klinische Molekularbiologie.

Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparate. Dazu zählen Kieferknochen, Zahnfleisch, Zahnhals, Wurzelzement und Wurzelhaut. Neben Karies ist Parodontitis die zweite große Mundkrankheit. Hauptursache sind Bakterien, die sich im Zahnbelag ansammeln. Im Erwachsenenalter ist die Parodontitis die Hauptursache für Zahnverlust.

Zusammenhänge zwischen aggressiver Parodontitis und Herzinfarkt seien zwar in der Vergangenheit bereits beobachtet worden, so Schaefer. Jetzt aber sei nachgewiesen worden, dass dieselben Genveränderungen zu den Erkrankungen führten. Es gebe eindeutige Übereinstimmungen in der genetischen Veranlagung. Die Forschungsergebnisse sind in der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift „PLoS Genetics“ veröffentlicht worden.
Keywords

Schätzungen zufolge leiden 60 bis 80 Prozent aller Erwachsenen an einer Parodontitis, die fatalerweise häufig schmerzlos verläuft. Fast unbemerkt bilden sich Zahnfleischtaschen, und der Kieferknochen wird abgebaut. Das Zahnfleisch ist gerötet, es blutet, Zähne lockern sich, unangenehmer Mundgeruch kommt dazu. Auslöser sind Bakterien im Zahnbelag, auch Plaque genannt. Raucher haben ein besonders hohes Erkrankungsrisiko. Die zahnärztliche Behandlung besteht in der mechanischen Entfernung der Bakterienflora.

Quelle: welt.de